Mittwoch, 2. November 2016

[Karls Rezension] "Bombennacht" Roman Rausch

" Ein fesselndes Stück Zeitgeschichte."

16. März 1945: Ein friedlicher und sonniger Frühlingstag bricht in Würzburg an. Tausende Flüchtlinge haben in der Stadt am Main Zuflucht gefunden, unter ihnen Eugen, ein deutsch-russischer Junge, der sich vor der SS hüten muss. In der Nervenheilanstalt in der Füchsleinstraße kümmert sich Professor Werner um die vielen Kriegsverletzten. Da taucht ein totgeglaubtes Mädchen auf, das seine menschenverachtenden Praktiken offenlegen kann. Krankenschwester Fanny erkennt in ihr eine ehemalige Patientin und geht der Sache nach.

Unterdessen bereitet man in der Villa des Nervenarztes ein Geburtstagsfest vor. Der Jude Paul soll eine berühmte NS-Sängerin am Klavier begleiten, während er mit einem Zwangsarbeiter seine Flucht plant.

Und Pfarrer Titus liest seine Morgenmesse. Wird es eine Totenmesse für die Stadt sein? Denn während die Würzburger darauf hoffen, dass der Krieg bald vorbei sein möge, bereitet sich an der Küste Englands eine Bomberstaffel auf einen ihrer zahlreichen Einsätze vor. Am Ende des Tages werden deren Flugzeuge den Himmel über Würzburg verdunkeln und einen tödlichen Feuersturm entfachen.
Der Schriftsteller Roman Rausch wurde 1961 in Würzburg geboren und studierte Betriebswirtschaft mit den Schwerpunkten Marketing und Medienwirtschaft. Außerdem arbeitete er lange im Bereich der Medien und im Journalismus.
Im Jahr 2002 gründete er gemeinsam mit Blanka Stipetic die Schreibakademie storials.com. Seine ersten Romane veröffentlichte er auf eigene Faust und erhielt hierfür für seine bis dahin erschienene Kilian-Trilogie auf der Leipziger Buchmesse 2002 den Books on Demand-Autoren-Award.
Neben seinen beiden Krimiserien veröffentlicht er auch Romane, die nicht in die Serien gehören. Dazu gehört mit Das Caffeehaus von 2009 auch sein erster historischer Roman.
Roman Rausch lebt und arbeitet in Berlin und Würtburg.
Würzburg März 1945 , keiner sagt es aber jeder weiß es Deutschland ist am Ende, das Ende des Krieges nur noch eine Frage von Tagen. Von Osten kommen die Russen und von Westen die Engländer und Amerikaner. Um die Moral, der deutschen zu brechen, bedienen sich die Alliierten der Bomberflüge. Nacht für Nacht fliegen sie deutsche Städte an und zerstören, was noch zu zerstören ist. Würzburg ist bisher von großen Angriffen verschon geblieben. Das hat zur Folge, dass einige glauben, dass es auch so bleibt, aber auch Flüchtlinge strömen immer mehr in die Stadt der trügerischen Illusion glauben hier das Ende des Kriegs abzuwarten. In der Nacht auf den 16. März wird ihnen das zum Verhängnis.

In der Tat ist Würzburg das Opfer fehlender Ziele geworden strategisch völlig unwichtig, kam Würzburg nur auf die Liste der zu bombardierenden Städte, weil die britische Royal Air Force keine Ziele mehr hatte, neben 5000 Toten wurde auch die einzigartige Altstadt fast völlig zerstört und gerade diese hauptsächlich aus Holz gebauten Häuser sollten vielen Menschen zum Verhängnis werden. Einen guten Bericht mit dem Ablauf des Angriffs findet der Interessierte Leser hier>>
Das Buch ist einfach zu lesen, der Leser erfährt Einblicke sowohl in die Ansichten der ausführenden Bomberpiloten als auch in diverse Charaktere, die den Angriff am Boden erlebten.
Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, um einen Bezug herzustellen, ist das Buch zu kurz, aber das kann auch vom Autor so gewollt sein, er verdeutlich damit sehr gut, wie schnell ein Leben vorbei sein kann.
Nehmen wir es vorweg, ein Happy End kann das Buch nicht haben. Zu Anfang beginnt der Autor mehrere Handlungsstränge aufzubauen, aber nicht alle lösen sich auf, sie wirken auf einmal so banal, so unwichtig das man als Leser auch keine Erklärung erwartet. Auch ohne übliche Heldengeschichten ist das Buch spannend und temporeich geschrieben. Es ist (zum Glück) nur schwer vorstellbar, was in den Menschen vorgegangen ist, die so was erleben mussten.
Roman Rausch ist es gelungen ein Stück deutsche Geschichte lebendig werden zu lassen. Dabei steht Würzburg stellvertretend für alle Städte, denen ein Bombenangriff zum Schicksal wurde und es ist gleichgültig, ob es deutsche, russische, englische oder französische Städte waren.
Ich gebe volle fünf von fünf Leseratten Plus und eine absolute Leseempfehlung. Ich habe das Buch in der Kategorie Historische Romane bei LovlyBooks zum Leserpreis 2016 nominiert.



Bild und Textmaterial Quelle Amazon und Echter Verlag

© Karl Donatz November 2016

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