Dienstag, 26. Juli 2016

[Rezension] "Sehnsuchtsland" Irma Joubert


"Eine fesselnde Geschichte die den Leser durch ein halbes Jahrhundert und durch zwei Weltkriege führt."

1905 aus St. Petersburg geflohen, findet die kleine Hildegard mit ihrer Familie auf dem Landgut der adligen Vorfahren in Königsberg ein neues Zuhause. Das aufgeweckte Mädchen steckt voller Energie und Wissensdurst, sehnt sich aber zutiefst nach Liebe und Anerkennung. Als sie dem Studenten Gustav von Langner aus Deutsch-Südwestafrika begegnet, beginnt sie zaghaft zu träumen – vom Sehnsuchtsland Afrika und von Gustav. 
Doch dann bricht der Erste Weltkrieg aus und ihre Träume zerplatzen wie eine Seifenblase. Hildegard ahnt nicht, welch turbulente Zeiten ihr noch bevorstehen. Sie ahnt nicht, dass sie schon bald im Berlin der 20er-Jahre leben und nicht nur einen, sondern zwei Weltkriege wird meistern müssen. Vor allem aber ahnt sie nicht, welche Umwege das Leben sie noch führen wird, bevor sie endlich das findet, wonach sie sich am meisten sehnt: ein Zuhause.
Irma Joubert lebt in Südafrika. Sie studierte Geschichte an der Universität von Pretoria und war fünfunddreißig Jahre lang Lehrerin an einem Gymnasium. Nach ihrer Pensionierung begann sie mit dem Schreiben. Die Historikerin liebt es, gründlich zu recherchieren und ihre Romane mit detailreichen Fakten zu untermauern. In ihrer Heimat und den Niederlanden haben sich ihre historischen Romane zu Bestsellern entwickelt und sind mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden.
Schon  nach wenigen  Seiten hat mich das Buch gefesselt. Die Handlung beginnt sofort recht spannend, denn wir erleben die Flucht von der kleinen Hildegard und ihrer Familie, die 1905 aus St. Petersburg vor den Bolschewisten fliehen müssen.  Man erlebt wie Hildegard  auf dem Landsitz ihrer Vorfahren  in Königsberg langsam zur jungen Frau heranwächst. Sie hat es nicht immer leicht, denn zu ihren Eltern hat sie  stehts ein kühles, sehr distanziertes Verhältnis und ihre Nanny, an der ihr Herz hing, wurde von jetzt auf gleich aus ihrem Leben gerissen. Man erlebt als Lesser mit wie Hildegard sich entwickelt, wie sie den Ersten und Zweiten Weltkrieg meistert und wie sie erneut immer wieder fliehen muss und dabei ihr  Hab und Gut zurücklassen muss.
 Leider hat Hildegard  immer jemanden in ihrem Leben, der ihr vorschreibt was sie tun und lassen soll und wer sie zu sein hat. Erst als der Zweite Weltkrieg sie wieder aus ihrem gewohnten Leben reißt, Berlin in Schutt und Asche liegt und sie erneut fliehen muss, lernt sie was Freiheit und Glück bedeuten.

Als dieses und vieles mehr hat die Autorin Irma Joubert in eine wahnsinnig spannende und mitreißende Geschichte gepackt, die mich zu 100% überzeugen konnte. 
Das Buch lässt sich leicht und flüssig lesen. Einmal begonnen mag man das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Irma Joubert  schreibt sehr bildhaft, so das man die Schauplätze und auch die Personen förmlich vor Augen hat, Sie lässt viele reale Ereignisse und historisch belegte Fakten einfließen, besonders über die beiden Weltkriege erfährt man sehr viel Hintergrundwissen. 
Hildegard mochte ich von der erste Seite an. Sie tat mir so unendlich leid, weil ihre Eltern, besonders die Mutter, sehr kühl und distanziert waren. Ich hätte sie so gerne zwischenzeitig getröstet.
Man erlebt als Leser ihre Entwicklung vom eigenwilligen Kind  bis zur mutigen jungen Frau. Liebe erfährt Hildegard nur selten und es gibt immer jemanden der sie in eine Rolle hinein presst, in der sie eigentlich nicht glücklich ist.
Alle anderen Charaktere waren  auch sehr authentisch und sehr gut wiedergegeben. Ich mochte Andreas Mäkinen so gerne. In ihm findet Hildegard einen wahren Freund oder man könnte sogar sagen, einen zweiten Vater.
Ein grandioser, fesselnder und sehr spannender Roman mit vielen historisch belegten Fakten. Ein Roman über eine starke, mutige Frau die die Wirren und das Grauen  zweier Weltkriege meistert und dabei meistens völlig auf sich gestellt ist. Ein Roman über Hoffnung, Glaube und Neuanfang.
Ich vergebe volle fünf von fünf Leseratten und eine absolute Leseempfehlung. Wer historisch gut recherchierte Romane mag,  die über die Zeit der beiden Weltkriege handelt, ist hier genau richtig.



Bild und Textmaterial Quelle Amazon und Francke Verlag

©Petra Donatz Juli 2016

1 Kommentar:

  1. Huhu Petra,

    also ich finde, dass Cover hat starke Ähnlichkeit mit einer sehr bekannte, amerikanischen Schauspielerin oder?

    Hm, Name fällt mir gerade nicht ein...

    LG..Karin...

    AntwortenLöschen