Mittwoch, 13. Januar 2016

[Rezension] "Der Traum vom Horizont" Alexandra Fischer

SAMOA--DEUTSCH SAMOA--AUSWANDERER--KOLONIALREICH--VERDEUTSCHUNG--HISTORISCH--RASSENHASS--RASSENKONFLIKTE--GESCHICHTE--VIER FRAUEN--SCHICKSAL--HASS--AUFSTAND--REBELLION--UNTERDRÜCKUNG--FAMILIENSAGA--LIEBE--VERZICHT--VERLUST--TOD--VERDERBEN--UNERFÜLLTE LIEBE--HÄUSLICHE GEWALT--1.WELTKRIEG--KULTUR--SÜDSEE--SÜDSEE EPOS--GRANDIOSES WERK--MEISTERWERK--BESTSELLER VERDÄCHTIG.

Eine schicksalhafte Familiensaga, die das Herz berührt!
»Träumt nicht jeder von uns vom Horizont? Davon, dass es dort anders ist, womöglich gar besser? Ich tat es«, flüsterte Rosa von Bahlow und dachte daran, dass jede ihrer drei Töchter einen Mann liebte. In Anbetracht der Umstände jedoch jede von ihnen den falschen.Apia, 1902: Die adelige Familie von Bahlow kommt aus Potsdam in die Kolonie Deutsch-Samoa, um dort einen Neuanfang zu wagen. Während der ehrgeizige Karl von Bahlow davon besessen ist, sich als Pflanzer einen Namen in der Kolonie zu machen, erleben seine Frau Rosa und die drei Töchter Grethe, Helene und Martha den Umzug in die neue Heimat auf ihre ganz eigene Weise. Die fremdartige Kultur der Südsee verändert jede der vier Frauen, beschwört schicksalhafte Begegnungen herauf und zeigt ihnen den Zauber der Liebe. Besonders ein geheimnisvoller Weltenbummler beeinflusst das Schicksal der Familie nachhaltig, während sich die Ereignisse schließlich überstürzen und im Ausbruch des ersten Weltkrieges gipfeln, der alles auseinanderzureißen droht.Lassen Sie sich in die exotische Welt der Südsee entführen und erleben Sie eine Familiensaga vor dem Hintergrund der deutschen Kolonien in der Südsee und in Ostafrika!
Alexandra Fischer, Jahrgang 1974, schreibt bereits seit sie es kann. Aus den ersten Buchstaben wurden Wörter, aus den Wörtern Sätze und aus den Sätzen schließlich Geschichten. Unvollendete, denn in jungen Jahren fand sie es stets spannender eine Geschichte zu beginnen anstatt sie zu beenden. Inzwischen schafft sie aber auch das und recherchiert für ihre historischen Romane gerne stundenlang in alten Texten, um ihren Büchern die Authentizität zu verleihen, die sie verdienen. Ihre schöpferische Kraft holt sie sich im schönen Bayern, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann auf einem ehemaligen Bauernhof in einer Wohngemeinschaft mit Hund, Katzen, Kaninchen, Enten und Hühnern lebt.
Seit Weihnachten litt ich unter einer Leseflaute und hatte schon Angst, das sie nicht enden würde. Doch dieses seitenstarkes Buch (720 S.) hat mich sofort, nach nur wenigen Seiten aus diesem Tief geholt und in seinen Bann gezogen. Alexandra Fischer legt hier eine gut recherchierte, spannende und lehrreiche Familiensaga vor, die es durchaus mit Werken von Autoren wie zb. Sarah Lark aufnehmen kann. Man wird als Leser mit der Kolonisierung von Deutsch Samoa vertraut gemacht vor dessen Hintergrund das Schicksal von vier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, erzählt wird. Drei Schwestern, Grethe, Helene und Martha und deren Mutter Rosa. Die vier leiden unter der Herrschaft des tyrannischen Vaters und können es ihm nie recht machen.  Alle Frauen ereilt ein Schicksal, dass sie sich nach Liebe sehnen, die ihnen größtenteils zum Verhängnis wird. Als Leser taucht man in die Südseeatmosphäre ein und erlebt mit Schrecken, wie die Deutschen sich Samoa unter den Nagel gerissen haben und die Eineismischen immer mehr unterdrückten und ihnen ihre Rechte absprachen, was letztendlich zu gewaltsamen Konflikten führte. Die Geschichte spielt im Zeitraum von 1902 bis 1920 und letztendlich bis hin zum 1. Weltkrieg.
Alexandra Fischer hat einen schönen, leicht zu lesenden Schreibstil, der mir schon nach ein paar Zeilen   sehr gut gefallen hat. Sie hat sehr gute Recherchearbeit  geleistet und der Leser bekommt nebenbei noch Geschichtsunterricht.  Das Buch handelt in einem Zeitraum von 18 Jahren und wird im Wechsel aus den verschiedenen Sichten der vier Protagonistinnen, Rosa, Grethe, Helene und Martha erzählt, so das man sich sehr gut in diese hinein versetzen kann. Auch wenn das Buch 720 Seiten hat, habe ich keine Seite als überflüssig empfunden. Im Gegenteil, ich war traurig, als es vorbei war.
Wie schon gesagt, handelt das Buch von vier Frauen, Mutter und Töchter, die so unterschiedlich wie Tag und Nacht sind, die aber durch eines verbunden sind und zwar durch die Suche nach Liebe und Anerkennung. 
Rosa ist die melancholische, die unter der Tyrannei ihres Mannes Karl leidet. Sie ist schwächlich und gibt sich, in  den Augen anderer, zu sehr mit den Einheimischen ab. Dieses zum Entsetzen ihres rassistischen Mannes.  Ich konnte ihre Depressionen sehr gut nachvollziehen. Ich hätte sie gerne mal getröstet und gedrückt.  Nur bei der  einheimischen Haushaltshilfe Aleovela, findet sie Verständnis und Geborgenheit.
Grethe die älteste, will nur eins, die Aufmerksamkeit des Vaters. Dabei nimmt sie auch keine Rücksicht auf ihre Mutter oder Schwestern. Zur Mutter hat sie eine kühle, distanzierte Beziehung und ihre Schwestern sieht sie als lästiges Anhängsel. Ich mochte sie nicht wirklich und sie war mir regelrecht unsympathisch. 
Helene war weder Vater noch Mutter  sehr zugetan. Zu Beginn mochte ich sie auch nicht. Doch nach und nach, nachdem sie so leben konnte, wie sie es wollte, wurde sie mir sogar sympathisch. 
Martha hingegen war von Anfang an mein Liebling der Familie. Sie hatte zur Mutter das beste Verhältnis und sie war die Einzige, die sich auf Samoa wohlgefühlt hat. Sie war ein aufgewecktes, neugieriges und mutiges Mädchen. 
Natürlich waren auch die männlichen Charaktere des Buches gut ausgearbeitet und passten perfekt, genauso wie die vier weiblichen Protagonisten, in die Story hinein. Sie hatten alle Tiefe und man konnte sich gut in sie hinein versetzen.  All diese tollen Charaktere machten das Buch so spannend und regelrecht aufregend, das sie noch lange im Gedächtnis bleiben werden.

Alexandra Fischer hat hier einen grandiosen Familien--Südsee--Epos erschaffen, den ich trotz seiner Seitenstärke, in nur wenigen Tagen gelesen habe. Das Buch bietet dem Leser Einblicke in die Geschichte Samoas und dessen Kolonisierung durch die Deutschen. Das Buch ist sehr gut recherchiert  und bietet eine umfangreiche, spannende und fesselnde Handlung, die mich sofort gepackt hat. Die Charaktere sind sehr authentisch und hatten sehr viel Tiefe. Ich vergebe für dieses tolle Buch fünf von fünf Leseratten und eine absolute Leseempfehlung.


Danke an die Autorin Alexandra Fischer, für das Rezensionsexemplar

Text  Video und Bildmaterial Quelle Amazon und Youtube

©Petra Donatz


Kommentare:

  1. Das ist ja interessant. Ich habe noch nichts von der Autorin gehört. Aber nachdem es dir so gefällt, muss sich das ändern.
    Liebe Grüße Karin

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  2. Ich lese das Buch auch gerade - und ich muss dir recht geben, auch wenn ich noch am Anfangbin. Schon nach wenigen Seiten war ich drin in der Geschichte, der Schreibstil ist wunderbar und die Charaktere sehr interessant und gut gezeichnet. Ich feue mich auf die noch vor mir liegenden Seiten. :-)
    Übrigens - sehr gelungene Rezension!
    LG Sabine

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    1. Ja , das kannst du auch. Wenn dir der Anfang gefällt, wird dir der Rest au zusagen. LG Petra

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  3. Halli-Hallo liebe Petra,
    das Buch ist ganz nach meinem Geschmack und ich habs mir grad bestellt. Die Autorin kenne ich noch garnicht, um so mehr freut es mich, wieder eine neue Autorin kennen zu lernen. Es ist ja ein ziemlich dicker Wälzer, über 700 Seiten!
    Liebe Grüße
    Bettina

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    1. Ja Bettina, aber ein Wälzer, der sich leicht und flüssig weglesen lässt. LG Petra

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  4. Huhu,

    nun das Thema ist durchaus Meines, aber die Seitenzahl ...wow. Auch wenn Du, liebe Petra schreibst er lässt sich locker/leicht/flüssig weg lesen.

    Ist mir jetzt persönlich etwas zu heftig. Aber gut jeden sein Ding.

    Schönen Tag noch..LG..Karin...

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