Donnerstag, 13. November 2014

[Rezension] "Suizide" Stefan Lange

"Ein erschreckender Einblick in das Gefühlsleben eines Suizidgefährdeten" 
Denn der erste Schritt um Suizide zu verhindern, ist das Thema offen anzusprechen und es dadurch aus der Tabu-Zone zu holen.« Joana Hauff, Freunde fürs Leben e.V - www.frnd.de
»Ich spürte Wärme. Langsam erwachte ich aus diesem Traum, der mir seltsam bekannt vorkam und öffnete die Augen …« Sevilla in den 1990ern. Stefan widerstreben Karrieretreppen, er sieht seine nächste Station in Spanien. Leichtigkeit, Sonne in seinem Leben, Streifzüge durch die Stadt. Und ganz nah bei sich, in der Residenz entdeckt er eine ganz besondere Sehenswürdigkeit: Susanne. Ist sie genau die Eine? Es beginnt eine Sevillana der besonderen Art: Leidenschaft, Gleichklang und Gegentakt. Aus sinnlichem Tanz wird bitterer Ernst. Ein altes Trauma reißt einen Abgrund auf. In einer tagebuchartigen Rückblende erzählt Stefan Lange die Geschichte einer passionierten Liebe, eines Lebens zwischen Manie und Depression. Die Sprache besticht durch Klarheit; schonungslos offen, zynisch-brutal und sehnsüchtig-hoffnungsvoll zugleich rührt der Autor mit Suicide an ein Tabuthema. Nicht nur in TV- und Radiointerviews, sondern darüber hinaus auch mit Lesungen in Fachkreisen engagiert sich der Deutsch-Schweizer Stefan Lange in der Suizidprävention. 
Ich durfte dieses Buch in einer Leserunde bei Lovelybooks lesen und darüber diskutieren. Was in diesem Fall für mich  so ziemlich das positivste an der ganzen Sache war, denn das Buch strahlt gerade zu das Gegenteil aus. Der Autor und hier auch gleichzeitig der Protagonist, denn es handelt sich um eine Autobiographie, erzählt ohne es zu beschönigen seine mehrfachen, zum Glück gescheiterten  Suizidversuche. Schon in seiner Kindheit vom Vater als Taugenichts tituliert uns misshandelt, erlebte Stefan Lange immer wiederkehrende, depressive und düstere Abschnitte  in seinem Leben. Als er seiner großen Liebe Susanne begegnet sieht es endlich so aus, als wenn sich alles dem besseren zuwendet und das Leben für ihn bergauf  geht. Um so tiefer ist für Stefan der Fall ins absolute Nichts, in  Depressionen, sowie Körperliche und Seelische Verwahrlosung, als Susanne, für ihn ohne erdenklichen Grund, Schluss macht.
Stefan Lange erzählt schonungslos über seine Suizidversuche. Da sie zum Glück immer wieder gescheitert sind, kann man als Leser (zumindestens mir ging es so) denken, entweder sollte es einfach nicht so  sein, oder aber er wollte  sich nicht wirklich  umbringen und es waren nur HILFERUFE. Ich persönlich denke mir jedoch, wenn man es wirklich will, dann schafft man es auch. Aber letztendlich weiß selbst der Betroffene nicht wirklich, was in diesen Momenten in ihm vorging.
Für mich war das Lesen des Buches nicht einfach. Mir ist das Thema Depression bestens vertraut. Oftmals war mir die Stimmung des Buches einfach zu düster und depressiv, so das ich es weglegen musste und nicht weiterlesen konnte.
Das Buch ist in Tagebuchformat geschrieben, was ich persönlich wirklich gut gefunden habe. Das ganze lässt sich leicht und flüssig lesen. Einige Passagen waren etwas langatmig. Aber im großen und ganzen war der Schreibstil wirklich gut.
Stefan Lange kam wirklich authentisch rüber. Er hat  mit seiner Vergangenheit schonungslos abgerechnet. Auch wenn er sich manches mal für schwach gehalten hat, ich fand ihn mutig und finde es toll, wie er sich mit seiner Vergangenheit auseinander gesetzt hat.
Ein außergewöhnliches, schonungsloses Buch über Suizid. Mir war es teilweise zu düster und depressiv, so das ich es öfter aus der Hand legen musste. Dennoch lesenswert. Aber nichts für schwache Gemüter.
Ich vergebe hier drei von fünf Leseratten.


1 Kommentar:

  1. Hm, dass sind immer Themen wo es sehr um das Gefühl und die Empfindungen geht.
    Vielleicht hat es den Autoren etwas befreit von seiner Last....

    Schwieriges Thema..LG..Karin..

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